Inspiration.

"wovor hast du angst?", fragte das leben den wicht, der sich tief in seine höhle verkrochen hatte und dort einsam auf einem kleinen stein saß. es sah ihn mit großen, fragenden augen an. "ich weiß es nicht", flüsterte er. sein blick war schüchtern zu boden gerichtet. kalt war es in der höhle, viel kälter als draußen. weil der wicht viele gedanken gedacht hatte, die an den wänden gefroren waren. und dunkel war es. so dunkel wie das, was man in seinen glasigen augen erahnen konnte. "wovor hast du angst?", fragte das leben noch einmal und seine warme stimme erfüllte den ganzen raum. der wicht fing an seinen oberkörper langsam vor und zurück zu bewegen. vor und zurück. vor und zurück. und sah die wand an. wenn die wand könnte, würde sie den wicht anschreien. ihn kräftig schütteln und bitten endlich zu reden. aber die wand konnte nicht. die wand war ja nur wand. da trat das leben ganz dicht an den wicht heran und legte ihm seine große hand auf die schulter. plötzlich fing der wicht an zu weinen. ganz leise, so dass es selbst die wand vor ihm kaum hören konnte. "vor dir", flüsterte der wicht nun. "du bist so groß", schluchzte er, "und die anderen auch". "komm mit", sagte das leben, nahm den wicht an die hand und flog mit ihm nach draußen. aus der höhle hinaus, in den himmel. überall funkelten sterne und als sie den mond fast anfassen konnten, sagte das leben: "sieh nur!". der wicht, der sich die ganze zeit ängstlich die augen zugehalten hatte, lugte scheu zwischen seinen fingern hindurch. nun sah er die sterne lustig leuchten und nahm die hände von den augen. "hier ist es viel heller als in deiner höhle", sagte das leben. "ja", sagte der wicht leise. "sieh nach unten!", forderte ihn nun das leben auf und flog noch etwas weiter. unter ihnen erstreckten sich weite landschaften. überall konnte man winzige, sich bewegende punkte sehen. "siehst du, wie klein alle sind? viel kleiner als du!", sagte das leben und lächelte. "ja", sagte der wicht und konnte sich gar nicht entscheiden, ob er die sterne oder die vielen munteren wesen da unten angucken sollte. "du kannst so groß sein, wie du willst", sagte das leben, "wenn du denn willst". "ja", sagte der wicht nun schon etwas mutiger. langsam sanken sie wieder hinab bis sie schließlich mit den zehenspitzen das feuchte, weiche gras berührten. "du musst nur an dich glauben!", sagte das leben und klopfte dem wicht aufmunternd auf die schulter. "ja", sagte der wicht und nun hatte sogar das gras seine worte gehört und fing fröhlich an im wind zu tanzen. "glaubst du an dich?", fragte das leben. "ja!", rief der wicht und blickte auf. sah dem leben in die großen augen und die dunkelheit in seinen eigenen schien ein bisschen heller zu werden. das leben lächelte und seite an seite gingen sie zur höhle zurück, die nun in einem warmen licht erstrahlte. "wovor hast du angst?", fragte das leben erneut, aber der wicht antwortete nicht. er atmete nur tief die klare nachtluft ein. "hast du angst?". "nein", sagte der wicht und spürte, wie seine zehen auftauten und die wärme aus der höhle ihm entgegenschlug. "nein", sagte er noch ein zweites mal und sah direkt viel größer aus. "wer mit dem leben fast zum mond fliegen kann, der hat auch keinen grund angst zu haben", sagte das leben. "ja!", rief der wicht und ein lächeln zuckte über seine lippen, "wer mit dem leben fast zum mond fliegen kann, der hat auch keinen grund angst zu haben". und mit diesen worten ging er nach hause zurück, um der wand zu sagen, dass morgen ein neuer tag begann.

22.11.07 22:23
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


alienLady / Website (23.11.07 01:19)
das ist wunderschön.
worte die mich halten.
die mich aus meiner höhle holen.
sie ist zwar nicht kalt, aber man sieht die hand vor augen nicht..

und du bringst licht.

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